Verhüttung

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Veröffentlicht am Freitag, 08. März 2013 15:18
Geschrieben von Nicolai Bollenbach
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Verhüttung

 

Zur Verhüttung gehörten im Mittelalter drei wichtige Kriterien: die Wasserkraft, der Holzreichtum und das Erz. All diese Voraussetzungen waren in der Umgebung von Fischbach gewährleistet. So wundert es nicht, dass die ersten urkundlichen Erwähnungen von Schmelzhütten aus Allenbach auf eine Kupferverhüttung bereits um 1400 bzw. 1450 hindeuten.

 Wasserrad als Antrieb des Pochwerks

Die Verhüttung bestand aus zwei Schritten: der Erzaufbereitung und dem eigentlichen Schmelzprozess. Das Erz wird im so genannten Pochwerk, einer Zerkleinerungsmaschine, die 1524 von dem Bergprobierer Peter Philipp aus dem Harz erfunden wurde, zerstampft. Das Pochwerk besteht aus einer Reihe von schweren Pochstempeln, die durch eine Pochwelle mit Wellendaumen abwechselnd gehoben werden und auf eine Pochsohle herunterfallen, auf der sich das zu zerkleinernde Erz befindet.

 

Nach der Zerkleinerung im Pochwerk wird in einem zweiten Arbeitsschritt die Trennung des schweren Erzes vom leichteren Gestein vorgenommen. Dies geschieht durch die so genannte Wascharbeit. In Waschtrögen oder Waschherden wird durch ständiges Sortieren unter fließendem Wasser die Klassierung bis zum "Schlick" durchgeführt. Das schwere Erz sinkt nach unten, das leichtere, taube Gestein wird weggeschwemmt. Es bleibt ein kupferreicher Schlick zurück, der getrocknet und den Schmelzhütten zugeleitet wird.

 

Das Schmelzen erfolgte in den Kupferhütten. Das schwefelhaltige (sulfidische) Fischbacher Kupfererz wurde in Röstöfen oder Röststadeln im Holzfeuer erhitzt, so dass der Schwefel in Form von Schwefeldioxid entwich. Das Kupfererz wurde auf diese Weise in eine für den Verhüttungsprozess günstigere oxidische Form überführt.

 

Eine mittelalterliche Schmelzhütte bestand somit aus Betriebsstätten für die Erzaufbereitung und aus dem eigentlichen Schmelzhaus. Erhalten geblieben sind uns die Grundrisse der Fischbacher und der neuen Allenbacher Kupferhütte. Die Allenbacher Hütte besaß kein Pochwerk, was darauf hindeutet, dass vor 1738 und auch danach die Erzaufbereitung in Fischbach belassen wurde. In Allenbach befanden sich die Schmelzeinheiten, die Anlagen zum Rösten der Erze bzw. des aufbereiteten Schlicks, d.h. des fein gepochten Kupfererzes, sowie Holzkohlelager.

 

Das Fischbacher Kupfer erwarb sich durch seine hervorragende Qualität einen ausgezeichneten Ruf. Der Silbergehalt im Erz war so gering, dass sich eine Ausscheidung nicht lohnte. Beim Prozess der Silberausscheidung wird aus metallurgischen Gründen das verbleibende Kupfer stets etwas durch Blei verunreinigt.

 

Aufgrund der ausgezeichneten Qualität machte der Absatz des Kupfers keine Schwierigkeiten. Die Jahresproduktion der Hütten konnte sogar oft in der Gesamtheit an Großhändler verkauft werden. Der erste Aufkäufer, von dem wir wissen, stammte aus St. Nikolauspfordt bei Nancy (heute St. Nicolas du Port). Später sind es Ruprecht Doppengiesser und Jacob Claus aus Dinant oder die Augsburger Handelshäuser.

 

Verhüttet wurde im Mittelalter mit Holzkohle. Der Bedarf war groß. In unmittelbarer Nähe der Bergwerke konnte der Bedarf zur Herstellung der Holzkohle auf Dauer nicht sichergestellt werden. Die Verhüttung in den waldreichen Gebieten des Hunsrück bei Allenbach war hier der gebotene Ausweg. Den Gewerken der Bergwerke und Hütten wurden Holzschläge zur Verfügung gestellt, ein von dem Sponheimern eingesetzter Forstmeister hatte zu überwachen, dass ein wilder Holzeinschlag unterblieb. Auf diese Weise entstanden eine Reihe von Holzhauerkolonien. Die Köhler waren ähnlich gut organisiert wie die Bergleute, lebten zumeist in kleinen Hüttendörfern, die nach Niederlegung eines Holzeinschlags aufgegeben wurden.

 

Nachdem man 1975 damit begann, das alte Bergwerk im Hosenberg bei Fischbach als Besucherbergwerk zu erschließen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wurde 1986 der Plan realisiert, auch die Erzaufbereitung und das Schmelzwesen der Zeit vor 1800 wieder aufleben zu lassen. Nach historischen Vorlagen aus Archivbeständen, nach Angaben von Agricola und anderen frühen Quellen, wurden ein Pochwerk, drei Röststadel und zwei Waschherde installiert. Die rekonstruierte Schmelzeinheit besteht aus zwei Schachtöfen, die durch Blasebälge mit Verbrennungsluft versorgt werden.